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Akkordeontypen nach Bassseite

Das Akkordeon besitzt zwei Spielhälften: rechts die Diskantseite für die Oberstimme(n), links die Bassseite für die Bassstimme bzw. die Begleitung. Die Tastatur rechts wird manchmal als MI bezeichnet (M = Manual), die Tastatur der linken Seite je nach Akkordeontyp als MII oder MIII. Die Bassseite des Akkordeons weist immer eine Knopftastatur auf. Der grundlegende Unterschied zwischen den Akkordeontypen liegt in der Bassmechanik der linken Seite.

Standardbassakkordeon

Das Standardbassakkordeon (auch Stradella-Bassoder MII) ist die weltweit am weitesten verbreitete Bauart. Auf der linken Seite befinden sich in der Regel sechs vertikale Knopfreihen: Die beiden inneren liefern einzelne Basstöne, die vier äußeren stellen vorgefertigte Akkorde bereit: Dur-, Moll-, Sept- und verminderte Akkorde. Mit ihnen lässt sich mit einem einzigen Fingerdruck ein vollständiger Akkord erzeugen. Ein tonhöhengenaues Melodiespiel ist nur beschränkt möglich, da nur ein begrenztes Reservoir an Einzeltönen zur Verfügung steht. Angeordnet sind die Bässe im Quintenzirkel. Die größten Standardbassakkordeons besitzen 120 Bässe und wiegen je nach Bauart und Ausstattung zwischen 11 und 14 kg.

Mit den vorgefertigten Akkorden dieses Basssystem sind gängige Begleitmuster populärer Musikstile wie Walzer, Tango oder Lieder relativ leicht und intuitiv zu erlernen. In der Volks- und Unterhaltungsmusik, in Musikvereinen wie auch in der Straßenmusik dominiert daher das Standardbassakkordeon.

Grifftabelle für chromatische Hohner-Akkordeons mit 120 Basstasten
Grifftabelle für chromatische Hohner-Akkordeons mit 120 Basstasten

Einzeltonakkordeon

Beim Einzeltonakkordeon (auch Melodiebass oder MIII) entspricht jeder Knopf einem einzelnen Ton. Akkorde müssen daher selbst zusammengesetzt werden. Melodien und Akkorde lassen sich jedoch tonhöhengenau spielen. Dies eröffnet eine große gestalterische Freiheit für Klassik, Jazz und zeitgenössische Musik.

Grifftabelle Einzeltonakkordeon
Grifftabelle Einzeltonakkordeon

Die Knopftastatur existiert im Wesent­lichen in zwei Varianten, dem C-Griff und dem B-Griff. Sie entspricht spiegel­bildlich der Diskant­seite eines chro­ma­tischen Knopf­akkordeons (s. dort). Auch die Bauweise unterscheidet sich: Bei der west­europäischen An­ordnung sind die tiefen Töne am oberen Ende der Tastatur, während es bei der Bajan-Bauweise umgekehrt ist.

Akkordeons, die ausschließlich mit Einzeltönen ausgestattet sind, werden fast nur in kleinerer Aus­führung mit bis zu 46 Knöpfen angeboten. Dafür sind sie besonders leicht. Größere Einzel­tonmanuale mit bis zu 58 Knöpfen sind in der Regel in Kombi-Akkordeons integriert.

An Musikschulen wird heute überwiegend das Einzeltonakkordeon unterrichtet. Auch an deutschen Musikhochschulen sind bei Aufnahmeprüfungen ausschließlich Konzert­akkordeons zugelassen – also Instrumente mit Einzeltonmanual, nicht jedoch Standardbassakkordeons.

Kombi-Akkordeon (Converter/vorgelagertes Einzeltonmanual)

Das Kombi-Akkordeon verbindet beide Systeme in einem Instrument, d.h. auf der linken Seite stehen sowohl das Standardbasssystem als auch das Einzeltonsystem zur Verfügung. Beim Converter-Akkordeon kann die Mechanik der Knopftastatur mittels einer Umschaltvorrichtung (Converter) teilweise umgeschaltet werden: Die Akkordreihen des Standardbasses verwandeln sich dann in vier Reihen von Einzeltönen – und umgekehrt. Bei einem Akkordeon mit vorgelagertem Einzeltonmanualsind die Einzeltonreihen den Standardbassreihen vorlagert: Das Instrument besitzt zwei physisch getrennte Knopffelder, die theoretisch gleichzeitig spielbar sind.

Akkordeons mit umschaltbarer Bassmechanik oder mit vorgelagertem Einzelton­manual sind gegenüber anderen Akkordeontypen deutlich schwerer, kostspieliger und in der Handhabung komplexer. Instrumente mit 120 Bässen und 58 Einzeltönen können bis zu 15 kg wiegen. Unter Konzertakkordeonisten und an Musikhochschulen hat sich das Converter-Akkordeon als vorherrschendes Instrument etabliert, Akkordeons mit vorgelagertem Einzeltonmanual sind historisch älter und werden kaum noch neu gebaut. Da die Standardbassmechanik im professionellen Bereich so gut wie keine Rolle spielt, stellt sich die Frage, welchen konkreten Mehrwert man sich von diesen Hybridinstrumenten verspricht – zumaldas Einzeltonakkordeon musikalisch alle Freiheiten bietet. In der Laienmusik ist sowohl das Einzelton­akkordeon als auch das Kombi-Akkordeon selten anzutreffen.

Die Bassseite auf einen Blick

Einzeltonakkordeon Kombi-Akkordeon Standardbassakkordeon
nur Einzeltöne Einzelton- und Standardbassmechanik (umschaltbar oder vorgelagertes Einzelton­manual) max. 12 Basstöne, vorgefertigte Akkorde
alle Musikrichtungen, vorwiegend Klassik, Jazz, Neue Musik, Improvisation alle Musikrichtungen Volks-, Tanz- und Unterhaltungsmusik
keine musikalische Begrenzung keine musikalische Begrenzung eingeschränkte Flexibilität
Musik im Profibereich Musik im Profibereich Amateurmusik
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