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Verwandte Handbalginstrumente

Die nachfolgend aufgeführten Instrumente sind mit dem Akkordeon verwandt, unterscheiden sich jedoch in Griffsystem, Bauweise und meist auch durch ihren reduzierten Tonumfang erheblich. Bis auf das Bandonion begegnet man ihnen fast ausnahmslos in der Volks‑ und Unterhaltungsmusik.

Concertina / Konzertina

Die Englische Concertina geht auf den Londoner Instrumentenbauer und Physiker Charles Wheatstone (1802–1875) zurück, der sie 1844 zum Patent anmeldete. Sie besteht aus zwei baugleichen, meist sechs-, gelegent­lich achteckigen Gehäusehälften, auf denen die einzelnen Töne der chromatischen Skala abwechselnd angeordnet sind. Das Instrument ist gleichtönig. In England war es in der gehobenen Gesellschaft äußerst beliebt. Der Gitarren- und Concertina­virtuose Giulio Regondi (1823–1872) trug durch Konzerte und Kompo­si­tions­aufträge maßgeblich zu ihrem Ruhm bei.

1834 konstruierte der Chemnitzer Instrumentenbauer Carl Friedrich Uhlig (1789–1874) die Deutsche Konzertina als Weiterentwicklung des Akkordeons von Cyrill Demian (1772–1849). Hier sind die einzelnen Töne ebenfalls auf beide Seiten verteilt. Allerdings ist das Instrument diatonisch und wechseltönig im Unterschied zur Englischen Concertina, die gleichtönig und chromatisch ist. Die Deutsche Konzertina gilt als unmittelbarer Vorläufer des Bandoneons.

Eine Variante aus beiden Instrumenten ist die Anglo Concertina, auch Deutsch-Englische Konzertina genannt. Sie verbindet die Merkmale beider Bauarten: Von der Englischen Concertina wurde lediglich die mehreckige Form, von der Deutschen Konzertina die Wechseltönigkeit und Diatonik übernommen.

Bandonion

Das Instrument wurde um 1840 von dem Krefelder Musiklehrer Heinrich Band (1821–1860) aus der Deutschen Konzertina entwickelt. Er nannte sein neues Instrument „Bandonion", später wurde daraus für den Export „Bandoneon". Wie die Konzertina hatte es keine vorgefertigten Akkorde, sondern Einzeltöne und war ursprünglich wechseltönig. Es verfügte jedoch über zusätzliche Töne, die ein chromatisches Spiel ermöglichten.

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In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche Modelle und Griffsysteme. Eines davon gelangte durch Auswanderer nach Südamerika, wo es zum prägenden Klang des Tangos wurde: das Rheinische Bandonionmit 71 Knöpfen und 142 Tönen und der Knopfdisposition Rheinische Tonlage, auch A**rgentinische Tonlage genannt. Durch Astor Piazzolla (1921–1992) und den Tango Nuevo wurde es weltberühmt und emanzipierte sich schließlich zu einem anerkannten Konzertinstrument. Die rheinisch-argentinische Bauweise ist zweichörig, d.h. Grundton und tiefe Oktave erklingen gleichzeitig und erzeugen gemeinsam mit der vom Akkordeon abweichenden Bauweise den charakteristischen Tango-Sound.

Für den europäischen und insbesondere den deutschen Markt wurden Bandonions mit anderen Griffweisen gebaut. Um der Vielfalt an Knopfanordnungen zu begegnen, legte der Deutsche Konzertina- und Bandonion-Bund 1924 das Einheitsbandonionmit 72 Knöpfen und 144 Tönen fest.1

Verschiedene Versuche, gleichtönige Bandonions zu etablieren (Kusserow‑, Manoury‑, Péguri‑System, C‑/B‑Griff‑Varianten), blieben Randerscheinungen. Auch das Hybrid-Bandonion des belgischen Bandonionbauers Harry Geuns mit tausch­baren Stimmstöcken, die den Wechsel zwischen C‑Griff, B‑Griff und Bajan-Griff erlauben, konnte sich nicht durchsetzen.2

Diatonische Harmonikas (Diatonische Akkordeons)

Die Begriffe Akkordeon und Harmonika werden historisch und regional teilweise synonym verwendet. Diatonische Harmonikas/Akkordeons haben immer eine Diskantseite mit Knopftastatur und meist eine ein‑ bis zweireihige Bassseite.

Die Grundform der einfachen Handharmonika wurde im 19. Jahrhundert in Wien entwickelt, deshalb bezeichnet man sie als Wiener Modell. Sie ist auf der Diskantseite ein- bis dreireihig, verfügt über einen geringen Tonumfang und ist meist mit 2 bis 8 Bässen ausgestattet. Diese Bauart ist in vielen Regionen Europas verbreitet, allerdings unter unterschiedlichsten Namen: Organetto (Italien), Accordéon diatonique (Frankreich), Trikitixa (Baskenland), Melodoeon (Groß­britannien, Irland, manchmal Deutschland). Außereuropäische Varianten wie die Sanfona in Brasilien und das Cajun Accordion in Louisiana (USA) gelangten durch Exportströme im 19. Jahrhundert dorthin und wurden durch Anpassungs­prozesse zum festen Bestandteil ihrer jeweiligen Musikkultur.

In der Tradition des Wiener Modells steht die dreireihige Clubharmonika, die von der Firma Hohner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Die dritte Reihe ist eine Hilfsreihe mit zusätzlichen Halbtönen, die den Tonumfang erweitern. Oft ist sie mit Registern versehen und bietet ein größeres Klangvolumen.

![Steirische Harmonika der Marke Michlbauer Novak
mit 46 Melodietasten, 16 Bässen, X-Bass und H-Bass
Von Mbbernhard - Eigenes Werk,CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23246073](storage/basics/hba_5.png#w=300&filters=optimize)

Eine eigenständige Weiterentwicklung unabhängig vom Wiener Modell ist die um 1870 in Wien entstandene Steirische Harmonika. Sie ist wechseltönig und besitzt auf der Diskantseite drei bis fünf Knopfreihen; ein besonders charakteristisches Merkmal ist jedoch die Verwendung von Helikonbässen auf der Bassseite, übergroßen Bass­stimmplatten, die einen sonoren Klang erzeugen. Aus der alpenländischen Volksmusik in Bayern, Österreich, Südtirol und Slowenien ist sie nicht mehr wegzudenken. Diese Art von Musik nannte man in Wien „steirisch" als Synonym für ländliche Musik; das Wort hat also nichts mit der Steiermark zu tun.

In Tschechien heißt das fast baugleiche Instrument Heligonka.

![Übergangsmodell zwischen Langnauerörgeli und Stöpselbass-Örgeli
(Ulrich Zürcher Kröschenbrunnen)
Von Adrian Gehri - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99043166](storage/basics/hba_6.png#w=300&filters=optimize)

Einen eigenen Weg ging das dreireihige Schwyzer­örgeli, das im Diskant wechseltönig, im Bass gleichtönig ist. Sein Vorgänger war das 1836 erstmals gebaute einreihige Langnauerörgeliaus dem Emmental mit zwei wechsel­tönigen Knopf­paaren auf der Bassseite. Als Zwischen­modell in der Entwicklung zum Schwyzerörgeli gilt das Stöpsel­bassörgeli: Hier ist die Hälfte der Basstöne wechseltönig, die andere Hälfte gleichtönig. Die Örgelis haben noch heute in der Schweiz eine große Fangemeinde.

![Russisches Garmon
Von Vitaly Alekseev - Eigenes Werk,CC BY-SA 3.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6200196](storage/basics/hba_7.png#w=300&filters=optimize)

Garmoschka (auch Garmonika, Harmoschka) ist ein Oberbegriff für russische Handharmonikas mit Knopftastatur. Diese sind im Unterschied zum Wiener Modell gleichtönig. Innerhalb der Garmoschkas scheint das Garmon ein bestimmter Harmonikatyp mit 25 Knöpfen auf der Diskantseite und 25 Knöpfen auf der Bassseite inklusive einer Reihe Einzeltöne zu sein. Eine spezifische Variante des Garmon wiederum ist die Chromka: Sie verfügt über zusätz­liche Halbtöne, die chromatisches Spiel ermöglicht. Trotz ihres Namens ist sie bautechnisch gesehen keine chroma­tische Harmonika.3

Nicht zu verwechseln mit dem russischen Garmon ist das in Aserbeidschan beliebte Volksinstrument Qarmon. Es ist chromatisch, gleich-und einzeltönig und verfügt im Unterschied zu den russischen Harmonikas über eine Pianotastatur.

© AUGEMUS Musikverlag 2025

  1. Heveling, Carsten: Bandoneon https://bando-bando.de/verschiedenes/bandoneon_technik/142-toenig_rheinisch.html (abgerufen am 18. Dezember 2025). 

  2. Homepage Harry Geuns https://bandoneon-maker.com/c-system-bandonion-basic-model (abgerufen am 18. Dezember 2025). 

  3. a) Banin A. A.: Russische Instrumentalmusik der Folkloretradition, Frankfurt/M., 1997, zitiert in https://russian- garmon.ru/hromka (abgerufen am 18. Dezember 2025).
    b) Wikipedia-Artikel Garmon https://de.wikipedia.org/wiki/Garmon (aufgerufen am 18. Dezember 2025).
    c) Akimov, Sergej: Zum 100. Jahrestag des russischen Knopfakkordeons (oder: Wer hat das Knopfakkordeon erfunden?) https://poigarmonika.ru/statyi/k-100-letiyu-bayana-ili-kto-izobryol-bayan.html (abgerufen am 18.Dezember 2025).